Auf dem Weg zu Gott
hielten wir bei McDonald’s
und stopften uns voll
mit Hamburgern,
die wie gepreßte Scheiße aussahen.
Später ließen wir die Postmoderne
links liegen und fädelten uns
in den Strukturalismus ein.
Auch dort fanden wir nicht das,
was wir suchten.
Die Nächte wurden wieder länger
und die Tage kälter.
Bald steht Weihnachten vor der Tür
und von Gott keine Spur, sagtest du.
Aber das war uns eigentlich egal.
Wir sprachen vom Weg als Ziel
und über die Verfremdung der Realität
in der deutschsprachigen Lyrik
des frühen 21. Jahrhunderts.
Die Kriege waren weit weg
und die Rolling Stones
immer noch nicht müde.
Manchmal traten wir
auf die Bremse der Erinnerung.
Aus der Distanz sahen wir
rosafarbene Bilder,
überbelichtet und ein wenig verwackelt.
Die Bärte der Revolution
waren inzwischen grau geworden,
die Gesichter erschöpft
wie die Landschaft.
Durch das Vergrößerungsglas der Metaphern
blickten wir zu den Sternen,
den funkelnden Augen der Metaphysik.
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Anmerkung der Redaktion: Dieses Gedicht erschien in der Literaturzeitschrift Matrix 36, die sich schwerpunktmäßig dem Lyriker und Herausgeber Axel Kutsch widmet. Seit 1983 veröffentlicht Kutsch Gedichtbände und ediert Anthologien zeitgenössischer Lyrik im deutschen Sprachraum, zuletzt Versnetze_sechs (Verlag Ralf Liebe). Kutschs Gedichte wurden im Rundfunk (BR, DW, DLF, NDR, SWR, WDR), in deutschsprachigen Literaturzeitschriften, Schulbüchern und Anthologien (Artemis & Winkler/Patmos, Aufbau-Verlag, Beltz & Gelberg, dtv, DVA, Luchterhand, Reclam, Schöningh, S. Fischer) sowie in Australien, Belgien, Frankreich und Kanada veröffentlicht.)