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Markus Traud
Einer der ersten und besten Post-Doom-Romane

Buch-Rezension von Markus Traud Apr 2006

Im ersten der drei Teile dieses Romans sind wir etwa 600 Jahre nach einem Atomschlag auf der Erde. Das, was von der Menschheit übrig gebliebenen ist, lebt in Stämmen ohne große Ordnung oder Staatsgebilde. Weil die Wissenschaft für die Katastrophe verantwortlich gemacht wurde, gab es das, was die "große Vereinfachung" genannt wird. Fast alle Wissenschaftler und Gelehrten, die noch lebten, wurden getötet. Alles, was es an Aufzeichnungen, Schriftstücken etc. gab, wurde vernichtet. Es kann kaum jemand mehr lesen. Einer der wenigen Wissenschaftler, die sich anfangs noch retten konnten, Isaak Leibowitz, flüchtete sich zu einem katholischen Orden und erreichte dort, daß das Wenige, was an Texten übrig blieb, im Geheimen gesammelt und archiviert wurde. Im Laufe der Jahrhunderte werden diese zusammenhanglosen Bruchstücke des ehemaligen Wissens von dem Orden, der mittlerweile den Namen Leibowitz führt, wie Reliquien verehrt. Als ein junger Novize beim Fasten in der Wüste mit Hilfe eines Pilgers einen alten Bunker entdeckt, in dem u.a. eine Blaupause und ein Einkaufszettel des Ordensgründers gefunden werden, ist dies der Auslöser für die Heiligsprechung von Leibowitz.

Der zweite Teil des Buches springt ca 600 Jahre weiter in die Zukunft. Es gibt wieder Regionalfürsten, die sich belauern und bekriegen. Aber auch der Orden des Leibowitz besteht noch und bewahrt seine alten Texte. Da sich langsam wieder eine Wissenschaft bildet, können auch einige der Bruchstücke gedeutet werden und zur Weiterentwicklung der Techniken, z.B. der Elektrizität genutzt werden. Die ersten Konflikte zwischen der weltlichen und der geistigen Welt bauen sich auf.

Der 3.Teil ist erneut 600 Jahre weiter in der Zukunft angesiedelt. Die Menschheit betreibt wieder Raumfahrt; aber die Machtblöcke stehen eigentlich genau wieder da, wo es knapp 2000 Jahre vorher zur Katastrophe kam. Der immer noch existierende Orden des Leibowitz ist für den Fall eines Krieges wieder mit der Erhaltung des Wissens und der katholischen Kirche beauftragt, wenn auch nicht mehr auf der Erde. Als es dann zum Krieg kommt, verlassen einige Mönchen auf den letzten Drücker die Erde mit einem Raumschiff. Der Roman hat quasi einen Kreis geschlossen und ist in der gleichen Situation wie an seinem Anfang angelangt.

Während der Zeit des Kalten Krieges

Walter M.Miller jr ist im Gegensatz zu seinen Schriftstellerkollegen des sogenannten "Golden Age" der Science Fiction von Mitte der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre, wie z.B. Asimov, Heinlein oder Poul Anderson, das, was man in der Musik ein "One hit wonder" nennen würde. Der hier besprochene Roman, dessen 3 Teile zwischen 1955 und 1957 als einzelne Kurzgeschichten in einer SF-Zeitschrift erschien, ist das einzige Werk von Bedeutung, das er jemals veröffentlicht hat. Es gibt zwar eine Art Fortsetzung dieses Buches, die er aber bei seinem Selbstmord 1996 unvollendet zurück lies und die von einem anderen Autor zu Ende geschrieben wurde. Doch diese weiß wenig zu überzeugen. Aber "Lobgesang auf Leibowitz" wurde 1960 mit dem Hugo, dem höchsten Literaturpreis für SF ausgezeichnet.

"Lobgesang auf Leibowitz" war einer der ersten sogenannten "Post doom"-Roman, also eine Schilderung von möglichen Zuständen nach einem Atomschlag; lang bevor dieses Thema z.B. durch Filme wie die Mad-Max-Serie populär wurden. Und obwohl ich ihn vor fast 30 Jahren zum erstenmal gelesen habe, ist er mir nachhaltig in Erinnerung geblieben und hat auch beim zweiten Lesen überzeugt.

Es wird in den drei Episoden der Wiederaufbau der Erde und das Aufleben der Menschheit nach einem Atomschlag geschildert. Und der Zeitraum von ca. 2000 Jahren nach dem Atomschlag, der dargestellt wird, ist letztendlich ein Spiegelbild der 2000 Jahre vor dem Atomschlag. Die Menschheit entwickelt sich wieder und macht die gleichen Fehler wie zuvor. Daß diese von Miller sehr pessimistisch geschilderte Entwicklung schließlich wieder am Ausgangspunkt, der erneuten Vernichtung der Welt ankommt, ahnt man schon sehr bald.

Doch dieser pessimistische Ansatz ist vielleicht verständlicher, wenn man die Zeit betrachtet, in der dieses Buch geschrieben wurde. Ende der 50er Jahre war die Hochzeit des Kalten Krieges und die Welt stand mehrmals am Rande eines 3.Weltkrieges, der mit den neu entwickelten Vernichtungswaffen definitiv der letzte Weltkrieg für lange Zeit geworden wäre. In dem Zusammenhang vielleicht noch die Anmerkung, das man so ganz nebenbei in der Fiktion von Miller auch erkennen kann, daß damals das Ausmaß eines Atomkrieges trotz aller Befürchtungen nicht abschätzbar war. Denn in der Realität wäre ein Wiederaufbau, wie er ihn schildert aufgrund der Strahlenbelastung so schnell (wenn man bei 2000 Jahren von schnell reden kann) nicht möglich.

Der "ewige Jude"

Miller war ein religiöser Mensch und daher ist es auch erklärlich, daß der Katholizismus aus seiner Sicht etwas ist, was, wenn auch in einer etwas abgewandelten Form, auch nach dem "großen Schlag" weiterbesteht. Doch dies ist keine Verklärung des Glaubens, sondern der Orden, der ja letztendlich das Bindeglied der drei einzelnen Geschichten ist, ist eher in der Form des Beobachters, des Chronisten zu sehen, der zum einen in seiner Aufgabenstellung innerhalb der Handlung die Erinnerung an die Vergangenheit versucht aufrecht zu erhalten und zum anderen verkörpert er die Sichtweise des Lesers auf die Handlung. Durch Handlungsfäden, wie z.B. der Einkaufsliste von Leibowitz, eigentlich eine Banalität, die wie eine Reliquie verehrt wird, ist auch eine leicht ironische Distanz zur Religion vorhanden, die eine Verklärung verhindert.

Besonders fasziniert hat mich der Einsatz der Figur des "ewigen Juden". Diese seit dem Mittelalter bekannte Legende, in der Lazarus, den Jesus von den Toten aufgeweckt hat, solange auf Erden wandelt muss, bis das Ende der Welt nach christlicher Sicht naht, wird von Miller geschickt eingesetzt, um neben dem Orden des Leibowitz eine noch weiter außerhalb des Geschehens stehende Person als Beobachter in allen 3 Romanteilen zu haben.

Was eventuell ein wenig störend beim Lesen sein könnte ist der häufige Gebrauch von lateinischen Ausdrücke, die auch nicht übersetzt werden. Ich habe meine verschütteten Kenntnisse des Großen Latinums aus Schulzeiten und der katholischen Liturgie ausgegraben und kam einigermaßen zurecht. Aber es kann doch etwas irritieren.

Fazit: Einer der großen Science Fiktion Roman, der sowohl spannend ist als auch eine große Portion Nachdenklichkeit, wenn man es etwas pathetisch ausdrücken will, sogar philosophisches Gedankengut beinhaltet. Einer der wenigen Romane des Genres der auch heute noch topaktuell ist und auch von Leuten, die sonst nichts mit SF am Hut haben, gelesen werden sollte.

Lobgesang auf Leibowitz

Lobgesang auf Leibowitz

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Letzte Kommentare:
03.03.2015 16:40:17
Karla Schmidt

Gefangen, wie wir in unserem eigenen "Zeitfenster" sind, sehen wir uns selten oder nie, wie unsere Nachkommen uns sehen werden. Walter Miller ist es schon Ende der fünfziger Jahre gelungen, eine Kulturgeschichte seiner und unserer Zeit im Voraus zu schreiben, indem er ein zukünftiges Mittelalter als Ausgangspunkt seines Romans wählt. Durch diesen Kunstgriff gibt er seinen Lesern nicht nur eine Vorschau auf mögliche künftige Geschichtsperspektiven, sondern bietet zusätzlich einen ungewöhnlichen Einblick in seine Idee vergangener Denkweisen des europäischen "Mittelalters", dem wir uns oft so überlegen fühlen.
Millers Sprache erscheint oft sehr neuzeitlich - was sich in der englischsprachigen Ausgabe noch mehr als auf Deutsch zeigt - gerade dadurch wird aber seine Hypothese dem Leser klar, dass Menschen sich durch die Zeiten ähnlicher sind, als sie selbst gerne wahrhaben wollen. Das menschliche Streben nach Gedankenfreiheit wird von dem Anfang im fiktiven Mittelalter aus, durch eine Aufklärung, hin zu einer Moderne der Zukunft geführt. Die Fragwürdigkeit aber gleichzeitige Notwendigkeit menschlicher Emanzipation wird so auf äußerst unterhaltsame Weise meisterhaft erzählt.
Dieser Roman ist ganz besonders jüngeren Menschen zu empfehlen.

06.05.2013 09:19:32
Wolfgang

Ein einziges Buch hat Walter Miller geschrieben.
Es ist wie Stonehenge oder die Cheopspyramide.
Ein gewaltiges Monument seiner Zeit. es macht nach 40 Jahren immer noch Vergnügen es zu lesen. Und verblüfft mich immer noch durch seine tiefe Einsicht ins Wesen der Menschen.
Man muss es gelesen haben allein um zu erkennen wie viele andere Bücher davon beeinflusst sind. Es ist zu einem mächtigen Mem geworden.

01.04.2009 20:26:14
rm2099

Miller wählt für seine Beschreibung des Aufbaus einer Zivilisation nach der nuklearen Vernichtung eine äußerst eigenwillige Perspektive: die der katholischen Mönche des Leibowitz-Ordens. Diese eigenwillige Sicht kann natürlich keine ganzheitliche Beschreibung politischer, militärischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Aspekte dieses Wiederaufbaus leisten. Vielmehr geht es in dem Buch um die Komplexe des (technischen) Wissens und der Verantwortung - und der Schuld... In dieser Hinsicht jedoch überzeugt das Buch auf ganzer Linie. Die wenigen Schwächen sind dem beträchtlichen Alter des Romans geschuldet - heutzutage würde man das ganze wohl anders schreiben. Trotzdem ein absolut lesenswerter Klassiker.

10.10.2008 18:50:56
Khaless

Einfach ein Klassiker! Ein Roman, der sehr eindrucksvoll schildert, dass der Mensch nicht lernt und immer wieder in Krieg und Zerstörung untergeht. Erschütternd, wie das Wissen und die "Zivilsation" mühsam und unter großen Opfern wieder hergestellt wird, um dann wieder im Krieg zerstört zu werden. Unbedingt lesen!

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