Werbung

Werbung

Werbung

High Society und Unterwelt

Ein Bericht über den Alltag eines Bodyguards

© Die Berliner Literaturkritik, 14.09.11

MÜNCHEN (BLK) – Im August 2011 ist das Buch „Bodyguard“ von Michael Kuhr und seiner Co-Autorin Nataly Bleuel im Münchner Droemer Verlag als Taschenbuch erschienen.

Klappentext: Michael Kuhr ist Bodyguard und kümmert sich mit seinen rund 50 Mitarbeitern um die Sicherheit von Prominenten, einflussreichen Geschäftsleuten und Veranstaltungen. Er begleitet Stars wie Sarah Connor und Mario Adorf über den roten Teppich und er sorgt dafür, dass Events wie die Bambi-Verleihung sicher über die Bühne gehen. Er erzählt von seinem spannenden Alltag als Beschützer der Schönen und Reichen, aber auch von der dunklen Seite der Hauptstadt, wo er „Pate von Berlin“ genannt wird. Denn seine Sicherheitsfirma Kuhr Security betreut zahlreiche Diskotheken, seine Männer kontrollieren Nacht für Nacht den Einlass. Michael Kuhr hat die Macht, zu entscheiden, wer reinkommt und wer nicht. Und damit die Macht darüber, ob Drogen und Prostitution in die Clubs gelangen. Er arbeitet konsequent mit der Polizei zusammen und verhindert so, dass die Unterwelt immer mehr Einfluss gewinnt. Das packende und actionreiche Leben eines unbestechlichen Mannes, der sich tagtäglich für andere in Gefahr bringt.

Michael Kuhr, 1962 in Berlin geboren, ist sechsfacher Weltmeister im Kickboxen. 1994 gründete er die Sicherheitsfirma Kuhr Security und betreut zusammen mit über 50 Angestellten Hotels, Firmen, Großveranstaltungen und Prominente in Sicherheitsfragen. Seine „Türsteher“-Videos sind Kult im Internet, sie wurden bei YouTube insgesamt über 7 Millionen Mal angeklickt, darüber hinaus wurde er bereits von mehreren Fernsehteams bei seinen Einsätzen begleitet.

Leseprobe:

 ©Droemer Verlag©

PROLOG ODER: VOR GERICHT

Zwei Männer in Glaskäfigen. Es ist ein großer Saal, seine Mauern sind aus dickem Stein und hundert Jahre alt. Vor den hohen Fenstern stehen noch mal Wände aus Glas, so dass von der Stadt draußen nur fahles Licht hereinbricht.

Vorne ein hohes Podest, noch leer. An der linken und an der rechten Seite des Raums zwei Kästen aus Glas. Im linken sitzt ein junger Mann, im rechten auch. Sie sitzen sich gegenüber, doch sie sehen sich nicht an. Der im rechten hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen und schaut auf seine Hände. Der im linken starrt auf die Fenster, durch die man die Freiheit nicht sieht.

Der Saal ist bis zur Decke getäfelt, und auch die beiden Kronleuchter verleihen ihm etwas Feierliches – schon bevor das Gericht erscheint und alle aufstehen. Noch ist es still im Saal 500.

Es sitzen da noch, vor den Glaskästen, einige Herren in schwarzen Roben und blicken konzentriert auf die Bildschirme ihrer Laptops. Zwei gehören zum linken Käfig, drei zum rechten. Wie auf einer einsamen Kanzel scheint zwischen Podest und Käfi g der graumelierte Staatsanwalt zu schweben. Und schweigend stehen zur Sicherheit Justizvollzugsbeamte in dunkelblauer Dienstkleidung im Raum verteilt. Manche tragen Schlagstöcke und Handschellen, einige sogar Schusswesten.

Dann werden die Flügeltüren geöffnet, und es poltern die Zuschauer herein, dass die Dielen knarzen. Wenn man den Saal von hinten betritt, durch den Zuschauereingang, kann man kaum erkennen, ob die Leute vorn auf dem Podest lächeln werden oder nicht. So tief ist der Raum, gediegen, ehrerbietig.

Die Holzbänke knacken beim Draufsetzen. Sie sind durch eine Balustrade vom Verhandlungssaal getrennt. Es sind etwa ein Dutzend Bänke. Sie werden nicht ganz voll. Die erste Reihe ist geschlossen: sechs, acht breite, bullige Männer mit dunklen Haaren. Fast alle tragen sie Jogginghosen, Turnschuhe und Pullis, durch die sich ihre Muskeln abzeichnen. Sie wirken nicht ganz ausgeschlafen, gerötete Augen. Es ist elf Uhr vormittags.

In der zweiten Reihe eine rundliche ältere Frau in bodenlangem Mantel und Kopftuch. Neben ihr ein alter Mann mit Käppchen auf grauen Haaren und Gebetskette zwischen den Fingern. Und eine junge Frau ohne Tuch und Schmuck.

Weiter hinten einzelne Männer in Anzügen und junge Frauen, Studentinnen vielleicht.

Dann gehen die Türen vorne hinter dem Podest auf, und es kommen herein: der Richter, Beisitzerinnen, Schöffen, die Protokollantin. Alle erheben sich. Auch die beiden Männer in den Käfi gen. Der, der vorher auf seine Hände geschaut hat, lächelt der alten Frau zu. Sie nickt.

Und dann blicken alle auf die Besucher in der ersten Reihe: Solche Energien gehen von diesen Männern aus. Wie eine Welle stehen sie da, mächtig, gewaltig.

Es ist der fünfte Verhandlungstag im sogenannten Poker- Prozess. Er wird verhandelt im Landgericht in Berlin-Moabit. Vier Männer wurden schon verurteilt, jetzt geht es um die Drahtzieher.

Unterstützen Sie unsere Redaktion, indem Sie Ihre Bücher in unserem Online-Buchladen kaufen! Vielen Dank!

Am 6. März 2010, einem Samstag, überfiel eine Gruppe von Männern ein Pokerturnier. Aber nicht irgendeines, sondern eines der größten Pokerturniere der Welt, das European Poker Tournament. Es fand zum ersten Mal in Berlin statt, im Herzen der Stadt, in einem Nobelhotel am Potsdamer Platz. Eine Woche lang wurde gespielt, von Zockern, von Profi s wie der Pokerweltmeisterin Sandra Naujoks und von Promis, Boris Becker und Charlotte Roche waren auch dabei. Das Preisgeld betrug 4,6 Millionen Euro. Der Sieger bekam eine Million. Ein Spektakel, bei dem unzählige Kameras liefen.

Kurz nach zwei Uhr mittags stürmten vier Männer durch einen Seiteneingang des Hotels in den Vorraum des Turniers. In den Ballsälen liefen gerade drei Turniere: Freezeout, Highroller, Ladies-Only.

Die Männer trugen Mützen überm Gesicht und vermeintliche Schusswaffen, einer hatte eine Machete. Sie stürmten die Registratur. An einem Tisch wurde das eingesetzte Geld kurzfristig gesammelt, gut sichtbar in einem offenen Tresor. Die Männer riefen: „Das ist ein Überfall!“ und „Go, go, go!“ Der Tumult draußen wurde auch im Turniersaal spürbar. Panik brach aus. Stühle und Tische wurden umgeschmissen, Spielchips und Karten wirbelten durch den Raum, Menschen warfen sich zu Boden, in Deckung. Die Kameras übertrugen es live. Die Männer rafften Geld zusammen: an die 800 000 Euro.

Dann erkannten die Sicherheitsleute ihre Chance. Einer war sehr groß und wuchtig. Er stürzte sich auf einen Mann mit Pistole und versuchte, sie ihm aus der Hand zu schlagen. In dem Moment lief der Mann mit der Machete auf ihn zu. Er holte aus und erwischte den Sicherheitsmann Roman H. unterm Auge, aber nur leicht. Er ließ vorerst ab. Später gelang es dem Sicherheitsmann, den Räuber wieder in den Schwitzkasten zu nehmen. Ein Hotel-Azubi schnappte sich sofort die von dem festgehaltenen Räuber fallen gelassene Tasche und stellte sie sicher. Darin war knapp eine halbe Million Euro.

Mit dem Rest der Beute, 242 000 Euro, konnten die Männer fl iehen. Sie rannten durch die Menge der Menschen im Einkaufszentrum am Potsdamer Platz, sprangen in einen schwarzen Mercedes und rauschten ab.

Der bewaffnete Raubüberfall hat keine zehn Minuten gedauert. Ein Schreck ging durch Berlin, über den hinterher alle lachten. Kurze Zeit später, am Nachmittag schon, sprach die halbe Stadt über den Überfall. Radio, Fernsehen, Zeitungen berichteten von der Sensation. Man kann sie sich jederzeit im Internet ansehen.

Zwei Tage später titelte die B.Z. „Polizei lacht über die Poker-Bande“, und die taz amüsierte sich über „die trotteligen Vier vom Pokerturnier“. Es lacht nicht nur die Polizei, sondern die ganze Stadt. So dämlich haben sich die Pokerräuber angestellt.

Der Polizeipräsident von Berlin, Dieter Glietsch, sagt schon am Montag nach dem Überfallwochenende: „Die Täter werden angesichts der Berge von hinterlassenen Spuren sehr schnell gefasst.“

Einer trug keine Handschuhe. Einer riss sich mitten in der Menge der erstaunten Passanten die Sturmhaube vom Gesicht. Das Autokennzeichen schrieb sich ein Passant auf. Das Auto war nicht mal geklaut, sondern auf einen Verwandten des Pokerräubers zugelassen. Und überhaupt: Die ganze Aktion wurde ja gefilmt. Jede Bewegung des Mannes mit dem roten Blouson und den Lederslippern, den der Sicherheitsmann Roman im Schwitzkasten hatte, kann sich jeder Mensch ansehen. Es kommen dann noch hinzu: regelmäßiges Boxtraining, ausgerechnet beim Polizeisportverein, und letzte Absprachen mitten in der Öffentlichkeit, bei McDonald’s nämlich, keine 50 Meter vom Tatort entfernt.

Zwei Wochen später gab es mehrere Hauptverdächtige: Am 15. März stellte sich Mehdi Z. * und verriet die Namen seiner Komplizen. Ein paar Tage darauf schnappte die Polizei bei einer zufälligen Kontrolle in Mitte Ibrahim F. Als Omar A. von seinem Fluchtziel Istanbul in Berlin-Tegel landete, nahm die Polizei ihn fest. Und kurz darauf auch Mohammed S., der offenbar lieber in Berlin als in Beirut im Gefängnis sitzen wollte.

Die Beute blieb verschollen. Die Hintermänner auch.

Wenn man den Männern ins Gesicht schaut, muss man an die Daltons denken. Nicht die echten, sondern die Comicfiguren von Lucky Luke.

Der Mann im linken Glaskäfig ist Jussuf Ch. Er ist ein enger Verwandter des bereits verurteilten Mohammed S., er ist ein junger Mann Ende 20, und soll den „Coup“ mit eingefädelt haben.

*Alle abgekürzten Namen im Text wurden geändert.

©Droemer Verlag©

Literaturangabe:

KUHR, MICHAEL mit Nataly Bleuel: Bodyguard. Zwischen High Society und Unterwelt. Droemer Verlag, München 2011. 232 S., 16,99 €.

Weblink:

Droemer


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: