Gern behaupte ich von mir, einer Sache auf den Grund zu gehen. Doch wie viel Gruende kann eine Sache haben? Eine Definitionsfrage: Der Grund ist immer mehr als ein Boden. Er ist immer auch das, was die Vernunft in einer Sache als Sinn begruendet. Insofern ist der Grund immer mehr als einer.
Korrekter sollte ich also sagen: Gern behaupte ich von mir, einer Sache auf die Gruende zu gehen.
Deshalb sollte ich kuenftig Wendungen wie Am Grund des Ozeans
im Mehrzahlmodus formulieren, Fragewoerter wie warum
in Plural denken, aber auch nicht davor zurueckschrecken, linguistische UFOs hervorzubringen. Denn ich moechte Blicke zu Grunde richten, auf Sachen, die unveraenderlich scheinen.
Wenn sich etwas grundlegend aendert, dann aendern sich nicht unbedingt alle Gruende gleichzeitig. Sondern nur etwas, dass alle Gruende gleichzeitig durchdringt, eine Schwingung etwa, die den Resonanzraum einer wie auch immer disparaten Grundarchitektur in allen Ecken und Enden erfuellt. Eine solche Schwingung muss sinntragend und sinndiffundierend zugleich sein. Gas- oder wellenfoermig in ihrer Eigenschaft als Fundamentalkritik an bestehenden Gruenden. Verduftend. Ephemer. Wie Schnee, der in meiner Hand schmilzt. Anders gesagt: Obgleich Dinge grundlos sein koennen, aendern sie sich keinesfalls grundlos, was wiederum nicht heisst, dass Gruende verlegt wuerden. Jedenfalls nicht wie Telefonleitungen. Im Untergrund aber schon.
Gruenden habhaft zu werden, heisst Schichten abzutragen mit einer Sprache aus dem Jenseits, mit einem Vokabular aus den ewigen Jagdgruenden. Was es bedeutet in diesem Zusammenhang Indianer zu werden? Ewig zu jagen in Gruenden ohne Grenzen in Raum und Zeit; als Erbe der ecriture automatique diesen Un[ter]grund des Seins zu ergruenden und fuer wenige Momente (Ab)Gruende nicht von dieser Welt zu beruehren. Dann heissts: Zurueckkehren in unsere Welt, und die Verwendung neuer Vokabeln damit begruenden, unseren
Grundbedarf neu begruenden zu wollen. So entsteht der Bedarf nach Gruenden. Ein Daseinsgrundbedarf.
2 Kommentare zu