Er besaß Tattoostudios und er besaß Hass. Bis eine Zeitungsanzeige sein Leben änderte. Heute ist „The Scary Guy” Motivationstrainer und zieht durch Schulen, Unternehmen, Gefängnisse und Militärstationen, um Menschen Liebe und Toleranz nahezubringen. Und man vertraut ihm – mehr als den Autoritäten. WAS BLEIBT von der Gewalt, was bleibt vom Hass? Ein Video-Protokoll.
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Mein Name ist The Scary Guy. Das ist mein offizieller Name. Vor 13 Jahren habe ich ihn amtlich ändern lassen. Ich bin ein Ex-Tattookünstler, was man sich vielleicht denken kann. Irgendwann sah ich in der Zeitung eine ganzseitige Anzeige von einem Kerl aus dem Tattoobusiness, in dem er fragte: „Sind Sie es leid, mit furchterregenden Typen mit Kriegsbemalung im Gesicht zu tun zu haben?” Es war ein Konkurrent. Ich las den Rest der Zeitung, warf die Tür ins Schloss und dachte: Was zum Teufel muss ich machen, um diesen Typen zu kriegen? Ich wollte herausfinden, wo dieser Kerl wohnt, in meinen Hot Rod Lincoln springen, zu seinem Haus fahren und seinen Hund überrollen. Kennt ihr Rache?
Ich sagte aber: „Nein, nein, ich bin der gute Junge. Er ist der schlechte Junge. Schaut mal, was der über mich gesagt hat!” Das war der Moment, der mein Leben verändert hat. Ich stellte fest, dass ich andere beleidigt, gehasst, dass ich Menschen nach Belieben stereotypisiert und kategorisiert hatte. Mein ganzes Leben hatte ich mit Sarkasmus und Übermut verbracht.
Also bin ich in die Welt gegangen, um meine Geschichte zu erzählen. Heute gebe ich Live-Shows auf der ganzen Welt. Ich wecke Menschen auf, zeige ihnen, was wirklich um sie herum passiert und dass sie nicht auf alles reagieren müssen, was sie sehen und hören. Warum ist es so wichtig für mich, das zu tun, was ich tue? Warum wecke ich Menschen auf, damit sie nicht immer so auf andere reagieren?
Du musst kein Opfer sein
Weil ich es an einem Punkt in meinen Leben einfach leid war, Meldungen und Berichte von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus aller Welt zu hören, die sich wegen Unterschieden gegenseitig töten, Selbstmord begehen oder sich selbst verletzen. Ich hatte diese ständigen, immergleichen Nachrichten einfach satt. Das war vor 13 Jahren.
Heute habe ich mein Leben Menschen gewidmet, um ihnen zu helfen, zu verstehen, dass sie nicht länger oder gar für den Rest ihres Lebens Opfer eines anderen Menschen sein müssen. Egal wer sie sind oder was sie sagen, jeder Einzelne von ihnen hat wesentlich mehr Macht und ich zeige ihnen, wie sie ihre Macht einsetzen können.
Was andere sagen, hat nichts mit dir zu tun
Ich reise viel um die Welt und erlebe viele verschiedene Arten von Diskriminierung und Hass mir gegenüber. Neulich bin ich durch eine deutsche Stadt gelaufen. Es könnte jede Stadt gewesen sein: Köln, Darmstadt, Michelstadt, Wiesbaden. Ich war zwar noch nicht in Berlin, aber vielleicht komme ich bald mal vorbei. Ich bin also den Bürgersteig runter gelaufen und sah Menschen, wie sie mich anstarrten, mich anguckten. Und alle machten nur „Uuuh!”. Und sie rissen ihre Augen auf und sagten: „Wer ist das und was ist nur los mit dem? Warum tut sich jemand so etwas an?”
Manche wechselten sogar die Straßenseite. Sie sind auf die andere Seite gegangen, nur um von mir wegzukommen. Das ist okay. Ich weiß, wie das heute so ist. Früher hätte ich es ihnen heimgezahlt. Aber jetzt nicht mehr. Heute weiß ich, wie dieses Verhalten entsteht. Es geht nicht um mich. Alles was sie von sich geben, sagt letzen Endes nur etwas über sie selbst aus. Es kam ja von ihnen. Und heute kenne ich diesen Unterschied.
Ich gab mal vor ungefähr vier Jahren eine Show in England. Es waren bestimmt 600 oder 700 Schüler im Zuschauerraum. Die Eröffnung der Show war ziemlich intensiv. Es ist eben ein sogenanntes „In your Face”-Programm. Als ich nach 90 Minuten die Show beendet hatte, lief ich raus und schätzte, allein an diesem Tag ungefähr 500 bis 600 Menschen die Augen geöffnet zu haben. Ich weiß eigentlich nie genau, wie tief meine Show auf sie gewirkt hat, bis ich nach Hause komme und meinen Computer anschalte.
Verstehe dich selbst
Heute erhalte ich zwischen 6000 und 10000 Briefe im Monat und jeden beantworte ich eigenhändig. An diesem Tag erhielt ich eine Mail von einer jungen Frau, die mir sagte: „Danke Scary Guy, dass du gekommen bist! An diesem Tag hatte ich ein Rasiermesser in meinem Portemonnaie und wollte mich auf der Mädchentoilette umbringen. Aber du hast mit deiner Show in mir die Idee geweckt, dass ich mich nicht umbringen muss, um jetzt auf diesem Planeten zu leben!”
Du hast jeden Tag deines Lebens die Macht, dich zu dem zu machen, der zu sein willst. Mir ist egal, wer zu dir spricht. Du solltest diese Macht jeden Tag nutzen. Verstehe die Wahrheit über dich, verstehe, wer du bist!
15 Kommentare zu
Ich glaube, meine Augen würden auch ein bisschen größer werden, wenn ich ihn sehen würde. Er ist wirklich ein bisschen beängstigend... Man erwartet einfach nicht hinter so einer Hülle, eine solche Einstellung.
Ich glaube gar nicht mal, dass er den Ton verfremdet hat. Seine Stimme ist wirklich sehr tief. Allerdings spricht er anfangs sehr schnell, da hast du Recht. Mit diesem ersten Part eröffnet er auch seine Shows, das ist sozusagen sein Begrüßungs-Mantra :)
Unverkrampft etwas rüberbringt,was man Lebenserfahrung nennt. Er
hält nichts anderes als einen Spiegel vor sich und den anderen und fragt "Willst
Du so weitermachen, oder ist langsam Zeit sich zu ändern?"
Viele haben Lebenserfahrung aber ändern sich nicht. Scary durchbricht
simpel weg die Mauer durch sein eigenes Zeugnis. Wenn er den Menschen eben
mal anstubbst, derjenige es beherzigt, dann kann dieser widerum anderen
ein Zeugnis sein - laß' dich "anstubbsen" - Liebe deinen Nächsten, fang bei
dir an!
Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, das ich jemanden nur nach seinem Aussehen berteilt habe!
Seine Arbeit ist von unschätzbarem Wert und er ist authentisch, denn er kennt es vorverurteilt zu werden, nach Äußerlichkeiten beurteilt zu werden, sieht das ängstliche Befremden in den Augen anderer. Ich durfte mal in einem Restaurant live erleben, wie sich sein Leben anfühlen muss. Alle verstummten, als wir das Restaurant betraten. Nur ein sehr kleiner 2-3 jähriger Junge hat sich 'normal' verhalten; neugierig, aufgeschlossen und offen für Neues. Die Erwachsenen waren diejenigen die mit ihren Gedanken = Vorurteilen beschäftigt waren. Ein kleiner Junge mit einer Trinkflasche in der Hand, hat uns 'Erwachsenen' eine wundervolle Lehrstunde verpasst...
Wenn es ihm gelingt täglich nur einem Erwachsenen diese Offenheit wiederzubringen, wenn ihm täglich nur ein Mal gelingt, dass sich 2 Jugendliche auf dem Schulhof daFÜR entscheiden sich nicht die Köpfe einzuschlagen, dann wären wir auf einem sehr guten Weg. Durch seine Arbeit stellt er genau das täglich sicher. Schritt für Schritt.
Wer ihn live erleben darf/kann, sollte diesen Moment nicht versäumen.
Aber ich finde gerade durch sein äußeres Auftreten wird er zu etwas besonderem und wirkt authentisch.