Robert Schumann hatte zum Liedvortrag diese Idealvorstellung: „Das Gedicht soll dem Sänger wie eine Braut im Arm liegen, frei, glücklich und ganz, dann klingt’s wie aus himmlischer Ferne.“ Kaum zu glauben – genau so erfüllten die Ausnahme-Sopranistin Chen Reiss mit Klavierbegleiter Alexander Schmalcz diese Vorgaben in idealer Weise. Schumann hätte seine helle Freude gehabt. Hochkultur eines Genres in höchster Ausformung – so präsentierten die beiden Weltklassekünstler Lieder von Robert und Clara Schumann, nach der Pause aus Zemlinskys Walzer-Gesängen op. 6, Alma Mahlers „In meines Vaters Garten“, Gustav Mahlers „Erinnerung“ und „Aus des Knaben Wunderhorn“, aus Spohrs Sechs Deutschen Liedern op. 103 und Schuberts „Hirt auf dem Felsen“ D 965. Chen Reiss zeigte ihr ganzes Können, begeisterte mit flexibler, farbenreicher Sopranstimme, die noch in tiefer Lage trägt, anrührt, die aber ebenso zu temperamentvollen Ausbrüchen fähig ist – immer kontrolliert, immer präzise – im Gegensatz zu leerem Perfektionismus! – immer dem Hörer zugewandt – mit den Textinhalt unterstützender Darstellungskraft und Textverständlichkeit, Leichtigkeit. Und dann ist da dieses „Himmlische“, wie Schumann es nennt, das den Zuhörer ergreift, in andere Ebenen entführt, Geheimnis bereit hält, Gefühle transportiert, Menschlichkeit – auch das ist es, was Chen Reiss so unverwechselbar macht. Und trotz ihres blendend guten Äußeren ist sie natürlich, fernab von jedem Hauch von „Sex sells“. Nach der Pause ergriff sie das Wort, bat um Nachsicht für die Noten, die sie auf der Bühne zur Unterstützung auf dem Notenständer postiert hatte. Charmant und souverän, mit leisem Humor, erzählte sie, dass sie Alexander Schmalcz erst zwei Tage zuvor erstmals kennen gelernt hatte. Sie sprang kurzfristig ein an diesem Abend, – und bot dennoch mit diesem sensiblen Musiker unfassbare Synergie, hoch professionell. Der Klarinettist Elmar Hönig trat schließlich hinzu, spielte die Spohr-Lieder mit, – ein weiterer Farbtupfer eines lebendigen Liederabends, der Auftakt ist einer Reihe veranstaltet von den Hamburger Symphonikern, die das Lied wieder mehr in den Vordergrund bringen soll, ohne mit erhobenem Zeigefinger pädagogisch zu wirken. Noch sind Liederabende eher ein Verlustgeschäft für den Veranstalter, auch wenn dieses Konzert fast ausverkauft war. Aber so zukunftweisend in der Präsentation, wie es hier gezeigt wurde, muss man sich um den Erhalt dieser feinen Kunstrichtung keine Sorgen machen. Der Anfang des Weges ist getan. Minutenlanger Applaus und Bravo-Rufe würdigten das Gebotene. Die Hamburger wünschen sich, das Duo bald wieder in der Hansestadt zu hören und zu sehen.
Empfehlenswert dazu die CD von Chen Reiss, eine WDR-Produktion: „Romanze“, mit Liedern von Spohr, Schubert, Lachner, Mozart.
Für alle Berliner: Am 21. Februar 2011 hat Chen Reiss ihren nächsten Auftritt in Berlin, Schumann Recital, Berliner Philharmonie, mit Lesung von Gedeck und Koch.
Meta
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Chen Reiss – ein Erlebnis, weil … Eine der seltenen Glücksfälle, bei denen eine enorme Erwartungshaltung noch übertroffen wurde. Ich finde, Frau Reiss besitzt eine der schönsten lyrischen Sopranstimmen, die ich kenne. Das ist genau der Sopran, wie er mir für Mahlers „Das himmlische Leben“ vorschwebt. Zart, unschuldig, makellos; befähigt, das „Höhere“ in der Musik widerzuspiegeln, frei von aller irdischen Last.
Abgesehen von der unverwechselbaren Stimme, aus der sich eben jene „himmlischen“ Klangfarben ableiten, gepaart mit Virtuosität im positiven Sinne, hat mich ihre interpretatorische Intelligenz sehr beeindruckt, die den Zuhörer vollkommene Miniaturen an Drama, Lyrik, aber auch Witz erleben lässt. Am Facettenreichtum ihres „Verlorne Müh!“ sollte sich ein Thomas H. ein Beispiel nehmen. Da wird buchstäblich mit allen (Stimm-)Mitteln um den Jüngling geworben, der ach so barsch bleibt.
Und dann habe ich die ganze Zeit überlegt, warum diese Stimme „himmlisch“ klingt. Ich glaube, es sind zu einem guten Teil die Vokale. Ihre Vokale leuchten. Hört sich vielleicht etwas pathetisch an, aber das ist genau dieser Effekt, den ich auch z.B. an Kathleen Battle mag. Nun ja, es wird sicher nicht mein letzter Reiss-Konzertbesuch gewesen sein, um diesem Phänomen nachzuspüren.
(Ralf Gertzen)