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Bücher & Themen Artikel online seit 01.01.14 |
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Hätte das Publikum auf dieses
Buch verzichten können? Die Antwort ist ein klares »Ja«! Wieder einmal wurde ein
monumentaler Schinken für den Gabentisch produziert, in dem allenfalls der ein
oder andere Laie noch etwas für ihn Überraschendes finden könnte. Auch wenn Abulafia, immerhin Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Cambridge, seinen Stoff durchaus plausibel in fünf »Mediterrane Zeitalter« gegliedert hat, lassen sich seine einzelnen Abschnitte nicht einmal als Handbuchkapitel verwenden. Zu kursorisch und sprunghaft sind seine Schilderungen von Hethitern, Phöniziern und Griechen, von Byzantinern, Arabern und Korsaren, als dass sich daraus zitierfähiges Wissen oder gar etwas Neues herausdestillieren ließe. Weder politische Strukturen noch literarische Entwicklungen werden genau beschrieben und in einen möglichen Zusammenhang gestellt, noch Kriege und Schlachten nachvollziehbar geschildert, eine antiquarische Unterhaltung allenfalls für den ausdauernden Bildungsbürger, falls es den überhaupt noch gibt. Dafür finden sich aber immer wieder ermüdende Schilderungen von erwartungsgemäß bei Seeanrainern regen Handelsbeziehungen, Dank derer Metalle, Holz, Keramiken und sonstige Schätze zu fremden Küsten gelangten. Auf beinahe jeder Seite des Textes hat man das Gefühl, dies alles schon einmal und oft viel besser gelesen zu haben, zumal auch Abulafia mit überflüssigen Invektiven nicht geizt. So nennt er den britischen Botschafter in Neapel und Ehegatten von Nelsons Geliebter den »gehörnten Hamilton«, der Duce ist der »skrupellose Mussolini« und Hitlers Oberbefehlshaber Süd im Zweiten Weltkrieg schlicht der »fanatische Kesselring«.
Seine abschließende Behauptung, dass in der
Geschichte der menschlichen Zivilisation das Mittelmeer eine größere Rolle
spielte als jedes andere Meer, glaubt Abulafia nicht weiter erläutern zu müssen.
Für die Geschichte der letzte 500 Jahre gilt sie eindeutig nicht, denn seit den
großen Entdeckungen in Übersee, dem europäischen Kolonialismus und schließlich
der industriellen Revolution in Westeuropa, die sämtliche Errungenschaften von
Griechen, Persern und Arabern zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen ließ, hat
jedenfalls der Atlantikraum die größte prägende Kraft in der Welt gehabt. Auf
die spannende Frage aber, weshalb das Mittelmeer, an dessen Küsten immerhin so
beeindruckende multikulturelle Metropolen wie Alexandria, Konstantinopel und
Venedig entstanden sind, seine einst dominierende Rolle schließlich an den
Westen verloren hat, bleibt Abulafia eine konkrete Antwort schuldig. |
David Abulafia |
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