Melancholie
von Karl Egon Ebert
Es ist ein schauerlich Gefühl, zu leben
Ganz ohne Ziel und Hoffnung bessrer Zeiten,
Im Arm die Laute mit zerrissnen Saiten,
So zwischen Wog‘ und Himmel hinzuschweben.
Soll ich mich auf in’s Sternenzelt erheben?
Weh‘ mir! mein Stern entschwand in dunkle Weiten!
Soll ich hinab denn in die Wellen gleiten?
Die Wellen – weh‘! sind Keinem treu ergeben.
Ich will mir denn ein eigen Ziel ersinnen,
Denn jeder Wand’rer weiß, wohin er treibe,
Und jeder Schiffer, welche Welt er suche;
Der Eine trachtet, Schätze zu gewinnen,
Der And’re nach dem auserwählten Weibe,
Ich will denn trachten – nach dem L e i c h e n t u c h e !
Karl Egon Ebert
(ca. 1824)