Geschrieben am 21. Februar 2004 von für Bücher, Litmag

Patrick McCabe: Breakfast on Pluto

Mit frischen Schwung durch eine grausam-groteske Welt

In kurzen, knackigen Episoden von einer geradezu heiteren Obszönität lässt der 1955 geborene Ire Patrick McCabe das Leben und Träumen seines zwielichtigen Protagonisten aufblitzen.

Mit einem alten Hauskittel und Kopftuch hockt Mütterchen Riley in einem kleinen Appartment und schreibt für ihren Psychiater in „schmutzigen, saftigen Einzelheiten“ ihr Leben auf: Auf die Welt gekommen war sie nach einem wollüstigen Fehltritt des katholischen Paters Bernard Mc Ian im nordirischen Kaff Tyreleen als Patrick Braden. Abgeschoben zu einer schlampigen Ersatzmutter und inmitten von bitterer Armut und Schmutz entwickelt Patrick schon früh eine Vorliebe für feine Damen-Unterwäsche und Schminke – bis er schließlich mit einem Song von Gilbert O‘ Sullivan auf den Lippen eine verwegene Karriere als Transvestit startet, die ihn bis zum Straßenstrich vom Londoner Picadilly führt.

In kurzen, knackigen Episoden von einer geradezu heiteren Obszönität lässt der 1955 geborene Ire Patrick McCabe das Leben und Träumen seines zwielichtigen Protagonisten aufblitzen. Ohne auf die üblichen Klischees zurückzugreifen schildert er dabei eine bigotte irische Provinz, in der die bunten 70er mit den Beatles und Supremes sowie „violetten Manchesterhosen aus Pannesamt“ Einzug halten und in der ebenso wie später in London der IRA- und Protestanten-Terror gnadenlos tobt. In dessen Wirren wird auch „*****“ Patrick Bradens erster Liebhaber, eine hochgestellte Persönlichkeit mit dunklen Verbindungen, dahingerafft: „Ich muss oft an ihn denken, wie er in die Luft gejagt wurde und sein armer, kleiner Pimmel in Zeitlupe wieder auf die Erde herabsegelte wie eine zerknautschte Blume, ein Sinnbild all der toten Männer, die über den Jordan gegangen waren.“

„Breakfast o­n Pluto“ ist ein ebenso skurriler wie sarkastischer Roman, in dem die zärtlich-sympathisch geschilderte Tuntigkeit von „*****“ und seine naiv schmachtenden Suche nach Liebe und Geborgenheit mit Wucht auf Verlogenheit, Diskriminierung und Gewalt prallen. Patrick McCabe, der schon mit seinem Roman „Der Schlächterbursche“ für große Aufmerksamkeit gesorgt hatte, jagt den Leser einmal mehr mit frischen Schwung und provokantem Humor durch eine grausam-groteske Welt, in der man nun wirklich nicht weiß, ob man zuerst weinen oder lachen soll.

Von Karsten Herrmann

Patrick McCabe: Breakfast o­n Pluto. Gebundene Ausgabe – 207 Seiten – Eichborn Vlg., Ffm. Erscheinungsdatum: 2000 ISBN: 3821805897