Dada-Manifest
Andi Hörmann bespricht aktuell auf Deutschlandradio Kultur:
Walter Serners Handbuch "Letzte Lockerung" aus dem Jahr 1918 gilt als einer der wichtigsten Texte des Dadaismus. Der Möchtegern-Dandy findet darin – nicht ganz ernst gemeinte – Benimmregeln für den großen Auftritt bei gesellschaftlichen Anlässen. Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow hat es als Hörbuch eingesprochen.
Klopfende Rhythmen und zirpende Klänge - so hört er sich also an, der Soundtrack zur Selbstinszenierung. Und dazu noch ein Gesang, so tief wie das Dunkel der Nacht.
"Jetzt da ich im Evening-Dresse /
Nur noch allerlockerst sprühe /
Ist mir keine Miez zu kesse /
Keine Tour macht mir noch Mühe…"
"Walter Serners Lektüre als letzte Lockerung vor der Auflösung der Strukturen. Dirk von Lowtzows Stimme als Bindeglied zwischen Serners geistreich und kühl aggressiver Hochstapler Lyrik und einer minimalistischen Elektrosymphonie. Lieder als bis ins Detail fragmentierte Tracks, werden zerhackt, aufgeladen mit Disharmonien, abgebrochene Rhythmen, melancholische Melodielinien, verfilterte Soundschleifen, eingestreute Störsignale und Rauschen. Ein A-Capella Stil – erst einstimmig, dann zweistimmig, um in einem mehrstimmigen Chor zu münden, unterlegt von sich endlos wiederholenden Sounds in variierenden Schattierungen. ‚Der zerebrale Rausch, in dem diese Lektüre geschieht, kann nicht groß genug sein‘, schrieb Walter Serner, der zerebrale Rausch, der beim Hören entsteht, sollte es ebenso sein." (zeitblom)
Walter Serner: Letzte Lockerung. Hörspielbarbeitung und Regie: Zeitblom, mit Dirk von Lowtzow. Intermedium Records, München 2014.
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