Gerhard Ochs

gangway #20

3 Texte

© 2001 by Ritter Verlag and gangan books australia

 

Die Spur, der ich folge, sieht aus wie Samen von Sesam

Die Sonne der Schmerzen scheint unerbittlich. Soeben schmilzt
der Knochen meines aufrechten Ganges. Ich schleppe mich
noch bis zu der Plattform einer stattlichen Waage und blicke auf
noch eine Ebene, die aussieht wie gebrochenes Eis mit Linien so rot
wie das Blut eines Aals. Bis in die Ferne hat die Nähe den
Schwung von einem Fluß und das Gewicht von einem Gruß.

 

Es fällt auf, daß keine Schneeflocke meinen Augapfel trifft

Das goldene Ei im Stroh meines Kopfes kocht. Ich sprenge
mit einem Blick die Entfernung zu einer Frau mit einem Pelz-
tier. Während ich ihren Körper kommen höre, zeige ich ihr
den Hochmut meines Körpers. Als ihre Gliedmaßen bereits
meinen Atem erreichen, greift sie in ihre Tasche und holt ein
Drahtseil hervor. Damit haut sie auf meinen Kopf, als ob er
ein Rübenfeld wäre. Ich wäre am liebsten unter meine Mutter
gekrochen. Nachdem ich die erste Schande überstanden habe,
geht mir das Licht eines Trostes auf. Vielleicht kommt ein an-
derer Mann des Weges, und sie findet Gefallen an ihm. Dieser
Mann kann sogar mitunter ihrem Bären das Tanzen beibrin-
gen, und beide können von seinen Künsten leben.
Über solche Gedanken ist es dunkel geworden. Nach so vielen Tra-
gen meines Leibs ruht mich ein Stuhl aus.

 

Eine Neigung zum Gedenken

Es begab sich, daß ein Mann mit der Hand einer Frau ging. Er
staunte nicht schlecht, als diese nicht von seiner Seite wich,
zumal er schneller war, als die Schönheit jeder Blume. So gab
er nicht acht auf seine Füße, sondern stieß auf eine Blüte des
Stillstands. Als er sie da liegen sah, fackelte er nicht lange und
hob sie auf, denn inzwischen waren die Augen der Frau grün
geworden. Was wollte die Farbe ihm verheißen? Er setzte sich
in das nahliegende Gras. Ein Arm der Frau stieß überra-
schend einen Schrei aus. Damit ging der Tag zuende bis in die
tiefe Nacht.

 

Textauszug aus Gerhard Ochs: Wenn die Sonne die Lieblingsfarbe der Kinder hat.
Ritter Verlag, Klagenfurt-Wien, 2001.

 

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