Peter Pessl

gangway #32 – Best of Gangan

Splitter und Sporen

© 2004 by Gangan Verlag

aus: gedichte (1), 1984
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Splitter und Sporen

Im Boudoir

Im grünen saum überm kleiderstuhl
Dein apfelmesser, mutters ring
Im damengläschen pflaumenschnaps,
Die grauen haufen katzenkot
Auf kühlen brettern rund ums bett,
Dem webstuhl unsrer kinderfinger.

 


 

Zur linken Hand

Im hinteren garten stäuben katzen
Mit schütteln, klirren die wiesenglasur,
Vögel spreizen ihren gang hin zu mir.
Ich zerdrücke eine amsel als sitz,
Trinke nach der verstimmten frau und
Halte die morgenblätter vergraben
Lachend geschosse zischen zu hören,
Sorge für nichts solang ich getraut bin
Zu deiner linken hand nur, wie immer.

 


 

Zweieinigkeit

Ich kenne eine seltene zweieinigkeit, ein leben
Bei stumpfer zunge am rand eines weit offenen
Salzglases, wie die endung eines wortes, das an die
Zwiebeltürme der stadt und die untersten häute
Der nacht stösst, und beide, so die zunge, das wort,
Verletzen sich stets.
Sie ist die frau, die ihr gesicht hell färbt, den mund,
Und dies ganz für sich, ein weisses, um die brust
Loses kleid, das an den boden reicht gegen abend hin
Ausführt, für mich, dann aus einem gewebten säckchen
Ganz kleine, meist rote bücher holt und mir zeigt,
In einer hand den bauch eines glases, in der zweiten
Aber zart den meinen.
Ihre gewalt, wie auch meine, eine stumpfe zunge vom wein,
Die die fluchworte, gegen wen auch, geduldig trägt,
Die doch nichts spürt als die ränder von gläsern
Und tagen, die worte hochspült an die bäuche
Der dunklen segel der nacht.

 


 

Splitter und Sporen

Spring mit grossvaters schneereifen
Die hände am rücken übers feld,
Drähte brummen, baumeln mittag
Und ich schneide ihr gesichter
Leider völlig unfruchtbar
Bei zuckerwatte und kaffee,
Dieser frau auf der ofenbank,
Der ich mit splittern und sporen
So gar nichts mehr zerbrechen kann.

 


 

Meiner Frau

Mager wirst du vor angst unschätzbar
Zu sein, unter verschluss wie dein sitzen,
Faltest uns neu und rund in den korb
Der nach zwei, drei bäuchen riecht.
Schliesst mich weg über strassen
Von diesem brand in den stadtplan geblasen,
Den cafés, die dem knurrenden viertel
Einen rauschenden abtritt proben.
Und ich zeigte dir erst berühmte
Unser stottern im salut überbrüllen.

 

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