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Höllenschlund
Dante Valentine, Nekromantin und Halbdämonin, kommt schwer verletzt in einer Gasse zu sich und kann sich nicht erinnern, was ihr zugestoßen ist. In der Obhut ihres Gefährten Japhrimel, einem Dämon, und ihrer Freunde findet sie nach und nach heraus, dass sie in der Hölle gefangen gehalten und gefoltert wurde. Damit erreicht der Konflikt zwischen ihr und Luzifer seinen Höhepunkt: Dante will Rache für alles, was er ihr und anderen angetan hat.
Das kommt ihrer Tochter‘ Eve sehr gelegen, denn auch sie hat Pläne, die den Höllenfürst betreffen, der sie sucht und angeblich in seine Gewalt bringen will. Dantes Vertrauen in Eve treibt jedoch zunehmend einen Keil zwischen sie und Japhrimel, der ihr zu viel verschweigt. Bald weiß Dante nicht mehr, ob sie ihm überhaupt noch vertrauen kann.
Allerdings ist sie auf ihn und seine Verbündeten genauso angewiesen wie auf Eve und die abtrünnigen Höllenbewohner, die diese um sich scharen konnte. Die Suche nach einer legendären Waffe, die Dämonen – und Luzifer – töten kann, wenn sie von der Braut eines Dämons geführt wird, zwingt Dante zu einer halben Weltreise, wobei ihr die Gegenspieler stets auf den Fersen sind.
Schließlich kommt es zum Showdown: Dante und Luzifer stehen sich gegenüber, und einer von ihnen wird sterben …
Kennt man die vorherigen Bände nicht, ist es schwierig, in der Welt von „Dante Valentine – Dämonenjägerin“ Fuß zu fassen. Dem Leser wird nicht nur eine Zukunftsvision der Erde, in der die Magie gleichrangig neben futuristischer Technik rangiert, geboten, die durchaus an „Shadowrun“ erinnert, sondern zudem ein sehr kompliziertes Beziehungsgeflecht, das Freunde und Feinde genauso einschließt wie bereits Verstorbene, die der Hauptfigur wichtig waren. Regelmäßig wird auf frühere Geschehnisse angespielt, die nur treuen Fans keine Rätsel aufgeben.
In „Höllenschlund“, dem letzten Band, bemüht sich die Autorin, alle offenen Fäden zu verknüpfen. Zuletzt arbeitete sie auf das Duell zwischen Dante und Luzifer hin, die zeitweilig Verbündete waren, einander betrogen haben, zu Feinden wurden und in einem tödlichen Kampf den einzigen Ausweg sehen, an einem lästigen Gegner ein Exempel zu statuieren bzw. Rache zu üben und ein Monster zu eliminieren.
Bis es soweit ist, muss Dante die einzige Waffe finden, die Luzifer töten kann. Da die Verbündeten ihre Geheimnisse hüten, daraus Missverständnisse entstehen und Dante in Folge oft unüberlegt handelt, sorgen sie alle selber für unnötige Komplikationen, die das Duell aufschieben. Es gibt einige kleine Überraschungen, aber in der Summe nichts, was man nicht irgendwie hat kommen sehen.
Lilith Saintcrow schildert die Geschehnisse aus der Sicht ihrer Hauptfigur, die sehr viel reflektiert, jammert und in Selbstmitleid badet. Das geht schnell auf die Nerven, zumal man auch in den anderen Bänden durch dieses Jammertal musste (das an Wolfgang Hohlbeins „Enwor“-Saga erinnert, denn auch Skar haderte die ganze Zeit mit seinem Schicksal).
Fünf Bände „Dante Valentine“ sind eine Sammlung von Höhen und Tiefen. Einerseits sind die Romane phantastisch, reich an Action und spannenden Entwicklungen, andererseits wird die Titelheldin ihrer Rolle nur mit Mühe und der Hilfe anderer gerecht und jammert zu viel. Von daher ist die Serie, die für weibliche und männliche Leser gleichermaßen interessant ist, Geschmackssache. (IS)
26. Aug. 2012 - Irene Salzmann
Der Rezensent
Irene Salzmann

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März 2018: keine Rezensionen
Irene Salzmann, Jahrgang 63, verheiratet, drei Kinder, studierte mehrere Semester Südostasienwissenschaften und Völkerkunde an der LMU München.
Schon seit Jahren schreibt sie phantastische und zeitgenössische Erzählungen, die zunächst in den Publikationen der nicht-kommerziellen Presse erschienen sind. In den vergangenen Jahren w...
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