Ballade vom Goldfieber
Robert Kroetsch erzählt vom Klondike-Mythos
Von Heribert Hoven
Ausgangs- und Angelpunkt des Romans ist die schaurig-schöne Ballade des englisch-kanadischen Dichters Robert Service (1876 - 1958) von der "Ermordung des Dan McGrew". Die Ballade wird mit dem Bericht eines jetzt wohl hundertjährigen Erzählers konfrontiert, der als Vierzehnjähriger die turbulenten Ereignisse während des Klondike-Goldfiebers (1897) selbst erlebt haben will. Indem hier, wie zu vermuten ist, Fiktion gegen Fiktion steht, treten ganz eigene Fakten zutage. Gerade die Sichtweise des Jugendlichen wirft ein überaus erhellendes Licht auf jene Erwachsenen, die bereit waren, für das glänzende Metall ihr Leben aufs Spiel zu setzen. So geraten wir in eine Umgebung, in der alles zum Objekt von Spekulation wird und käuflich wird, eine Erfahrung, die uns heute nicht ganz fremd ist.
So erweist sich der kanadische Autor Robert Kroetsch (Jahrgang 1927) als legitimer Nachfahre eines Jack London. Er schildert mit beängstigender Prägnanz und historischer Präzision den Überlebenskampf der verzweifelt Hoffenden in einer überaus feindlichen Natur. Alaska, jenes Goldland am Nordpolarkreis, wird poetisch kartographiert. Durch den Roman weht der Geist großer Abenteuer-Filme, welche die Mythen von Gefahren und Gefühlen immer wieder neu erzählen. Am Ende muss der Leser selbst entscheiden, welcher Version vom Tod des Dan McGrew er folgen wird. Aber nachdem so viele Illusionen zerplatzt sind, kommt es auf den Tod eines Einzelnen auch nicht mehr an.
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