Ziemlich aufgewendete Zeit
Andruck von A la recherche du temps perdu mit handschriftlichen Notizen von Marcel Proust. Im Juli 2000 bei Christie's für £663 750 versteigert — höchster für ein französisches Manuskript je bezahlter Betrag. (Quelle: wikipedia)
„Ach ja, die Wörter – ein weites Feld! Dass Proust ein großes Interesse an Etymologien und der den Wörtern zugrundeliegenden Metaphorik hatte, ist nicht nur bekannt: er sagt es sogar ausdrücklich im Text. Da laufen dann die Wörterbücher heiß, manches habe ich bis ins Indoeuropäische zurückverfolgt, um dann ähnlichen Entwicklungssträngen ins Deutsche nachgehen zu können. Meistens war das freilich für die Katz, aber es beruhigt doch zu wissen, dass man sein Bestes getan hat. Als ganz simples Beispiel die „évocations“ schon gleich zu Beginn von Auf dem Weg zu Swann. Jeder hört das Rufen, lat. „vocare“, in dem Wort – aber kann man „Ausrufungen“ schreiben? Das Wörterbuch Sachs-Villatte schlägt neben den untauglichen „Beschwörungen“ u. a. noch „das Wachrufen von Erinnerungen“ vor – Heureka! Aber auf den zweiten Blick sieht man, dass das in die falsche Richtung geht: Es ist ja nicht Marcel, der die Erinnerungen wachruft, vielmehr halten die Erinnerungen Marcel wach. Und so bin ich dann schließlich doch murrend Hanno Helblings privatem Ratschlag gefolgt und habe „Erinnerungsbilder“ geschrieben – in denen nun freilich nichts ruft.
Aber ich denke, dass der Leser an dieser kleinen Skizze schon erkennen kann, dass mir die ganze Sache einen Riesenspaß gemacht hat…“
Zehn Jahre hat Bernd-Jürgen Fischer an einer Neuübersetzung von Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gesessen. Jetzt erzählt er in der ReLü von dieser Arbeit und u.a. auch über die Übersetzung des Martinville-Aufsatzes im Band I (den Proust auch als „Prosagedicht“ bezeichnete) und andere onomatopoetische Passagen.
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